Leserbrief 31: Fataler Kropf

Frage Hallo Herr Martin,
durch eigenes Verschulden haben haben wir gestern unser Zebrafinkenweibchen einschläfern lassen müssen. Wir wollten Ihr den Stress eines Tierarztbesuches ersparen und hörten auf sog. "Fachleute", die meinten zu wissen, was wir ihr geben sollten. Sie hatte einen Kropf. Falls Sie an den Sympthomen interessiert sind und auch daran was der Tierarzt meinte (wie das kommt und was man dagegen machen kann), würde ich Ihnen dieses gerne mitteilen. Vielleicht paßt es auf Ihre Seite und kann anderen Tierfreunden und vor allem anderen Vögeln helfen.

Ich habe, um mit meiner Trauer um den kleinen Vogel besser fertig zu werden, eine Seite auf meiner Homepage eingerichtet. Dort habe ich mr erlaubt, einen Link zu Ihrer Seite zu legen. Wenn Ihnen das nicht recht sein sollte, dann teilen Sie mir das einfach mit. Falls Sie einmal nachschauen wollen, die Seite ist über den Menüpunkt Privat zu erreichen. Einfach auf Zebrafinken klicken. Bitte nicht erschrecken, meine HP ist ansonsten der Rockmusik gewidmet.

Viele Grüße
Ulrich Heiser ( www.heiser-net.de )


Antwort Herr Heiser, Sie können mir gerne die Einzelheiten mitteilen und auch Fragen dazu stellen – vielleicht haben Sie am Wochenende etwas Zeit dazu.

Gruß, Hans-Jürgen Martin:


Frage Hallo Herr Martin, vielen Dank für Ihr offenes Ohr.

Also es begann ganz langsam, daß der Vogel ein Art Kropf bekommen hatte. Da sie nach wie vor im Käfig rumspielte, fraß, trank und badete dachten wir erst mal daran sie nur zu beobachten. Der Kropf wurde aber leider immer größer und ich mache es mir zum Vorwurf, spätestens jetzt nicht zum Arzt gegangen zu sein. Ihr Verhalten war immer noch das gleiche. Sie schien keine Beschwerden oder Schmerzen zu haben (was der Tierarzt auch bestätigte). Schnell waren einige Kontakte per Internet geknüpft und es kamen Meinungen (auch von einem Tierarzt), die auf ein ungebrütetes Ei schliessen ließen. Hier die Nachricht des Arztes, der mir per Internet helfen wollte:

Das hört sich ganz nach einem Fortpflanzungsproblem an. Die "Beule" am Bauch ist häufig – dies ist am Computer natürlich schwer zu diagnostizieren – eine Zyste oder ein Ei ohne richtige Kalkschale. Ich würde dem Vogel Calcium über das Trinkwasser zuführen. Durch das häufige Eierlegen geraten die Tiere häufig in einen Calciummangel. Ein geeignetes Medikament ist Calcium Sandoz 10%, in der Apotheke erhältlich, eigentlich ein Medikament zum Spritzen, man kann es aber sehr gut dem Trinkwasser beigeben, ca. 1 ml auf 50 ml Trinkwasser. Alle Vögel können dies trinken.

Das taten wir auch, aber der Kropf wuchs. Schließlich war er so groß, daß sie nicht mehr baden wollte. Wir vermuten, sie konnte sich hinterher nicht mehr trocken schütteln. Sie konnte auch ihre Kloake nicht mehr erreichen um sich zu putzen. Eine Bekannte, die weniger Hemmungen hatte, den Vogel aus dem Käfig zu nehmen, kam dann einmal die Woche um den Kot zu entfernen. Die Abstände wurden immer kürzer – sie kam nun jeden dritten Tag und wir entschlossen uns dann zu Arzt zu gehen.

Der Arzt, ein sehr lieber Mann und spezialisiert auf Vögel untersuchte sie und meinte, der Kropf sei leider schon zu groß. Er sagte, es wären Futterkörner und Sandkörner darinnen. Er ließ uns diese auch spüren. Dieser Inhalt, ging nur dann den Verdauungsweg, wenn neues Futter dazukam und notgedrungen Platz gemacht werden mußte. Wären wir früher gekommen, hätte er eine Spülung machen können und somit den Inhalt entfernen können. Als wir kamen, wäre das zwar auch noch möglich gewesen, aber er meinte, da käme nicht alles heraus und der Kropf würde sich immer wieder füllen und ansonsten wie ein luftloser Ballon herumhängen. Er sagte, er wäre froh, wenn wir uns zum Einschläfern lassen entscheiden würden, obwohl er gerade bei Vögel sowas nicht gerne täte. Es wäre kein "Vogelleben" mehr für sie nur noch bewegungseingeschränkt herumzuhüpfen.

Wir entschlossen uns dann auch dazu, obwohl ich heute nicht sicher bin, daß wir das richtige taten. Vielleicht bin ich egoistisch und für den Vogel war es wirklich besser so (obwohl laut Tierarzt das Tier keinerlei Schmerzen hatte). Aber ich sehe immer wieder ihr Gesicht vor mir, als sie mich im Sprechzimmer ansah und ihr Schnäbelchen öffnete, so als ob sie mir was sagen wollte.
Nun ist es zu spät.

Interessant ist, daß sich unser Zebrafinkenmännchen erst mal sehr freute, als wir nach ca. 2 Stunden das "neue" Weibchen in den Käfig ließen. Er dachte wohl, er weiß wer da wieder kommt. Als er jedoch bemerkte, daß es ein anderes Weibchen ist, wurde er ruhig. Heute haben wir ihn wieder singen gehört und er hat sie auch geputz (gezupft). Es war heute auch die erste Nacht, in der sie gemeinsam im Nest schliefen.
Hat er sie jetzt akzeptiert ? Hat er getrauert ?

Das soll jetzt ersteinmal genug sein. Sie werden wohl noch anderes zu tun haben. Falls ich ab und an nochmal eine Frage hätte, deren Antwort ich auf Ihrer Seite, bzw. dem Buch nicht finden kann, wäre ich für Ihre Hilfe gerne bereit, jedesmal eine Spende an eine Organisation Ihrer Wahl zu tätigen.

Vielleicht besteht ja die Möglichkeit bei den Krankheitensympthomen auf Ihre Seite diese Art eines Kropfes zu erwähnen und auch die einfache Möglichkeit der Heilung durch den Arzt bei FRÜHZEITIGEM Aufsuchen desselben. Übrigens, der Kropf war weich und wie schon erwähnt, man konnte die kleinen Körnchen darin spüren. Unserem Vogel und uns hätte diese Wissen auf jeden Fall einiges erspart.

Ich wünsche Ihnen ein schönes Wochenende und nochmal ganz herzlichen Dank, daß Sie sich die Zeit nahmen auf meine Mail zu antworten.
U. Heiser


Frage Hallo Herr Martin,
vielen Dank für die Veröffentlichung. Hoffentlich hilft es anderen Vögeln und Haltern. Das neue Weibchen hat sich im Übrigen sehr gut eingelebt. Seit 12 Tagen brütet sie auf 4 Eiern, das Nest wurde fast so zugebaut, daß man kaum mehr hineinsieht. Wir glauben, daß es nun mit dem Nachwuchs klappt.

Viele Grüße
U. Heiser


ZF-Leitseite  ZF-Homepage  ZV-Homepage  Zum Frameset "Leserbriefe" nach oben | TOP | naar boven LB 32