Leserbrief 2: Freilassen?

Frage Mein Mann und ich haben uns vor der Anschaffung unseres Zebrafinkenpärchens Ihr Buch über Zebrafinken gekauft, das wir sehr gut finden. Ich habe jetzt folgende Frage:

Würden Sie es befürworten, daß man Zebrafinken, die von Geburt an nur an Käfige gewöhnt sind, im Frühjahr/Sommer in der freien Natur wegfliegen läßt? Ich spiele mit dem Gedanken, da ich es trotz unseres großen Vogelkäfigs, den mein Mann selbst gebaut hat, für die Vögel einfach am schönsten fände, wenn sie in der freien Natur leben könnten.
Mein Mann argumentiert andererseits, daß es grausam und unverantwortlich wäre, Zebrafinken, die immer nur in Käfigen gelebt haben, plötzlich freizulassen.

Was ist Ihre Meinung dazu? Kann man es verantworten, das Zebrafinkenpärchen gemeinsam freizulassen? Sie sind übrigens 1/2 bis 3/4 Jahr alt und hatten schon ein Vogelkind, das inzwischen in einer anderen Wohnung in einer großen Voliere ist.
Wir würden uns mit Ihrer Antwort sehr helfen, und ich danke Ihnen schon im voraus für Ihre Mühe!

Doris K., Tübingen


Antwort Auch ich finde es für einen Vogel am schönsten, wenn er in der freien Natur leben kann – nur daß diese im Falle von Zebrafinken nun mal Australien ist! Nur dort und in ähnlichen Habitaten in anderen Erdteilen, wo gleiche klimatische Bedingungen herrschen, können Zebrafinken wirklich langfristig gedeihen. In Deutschland ist es vor allem die feuchte und anhaltende Kälte vom Herbst bis zum Frühjahr, die einem Zebrafinken eine schnelle Erkältung und den frühen Tod bescheren würde; in Australien gibt es zwar durchaus auch sehr kalte Nächte, aber bereits wenige Stunden später wird es wieder warm, und vor allem: Es ist überwiegend sehr trocken im australischen Winter. Nur ganz im Süden gibt es sowohl feuchte als auch kalte Winter, und deshalb kommen Zebrafinken dort auch gar nicht vor!

Außerdem ist das Feilassen von Exoten selbstverständlich verboten & nicht nur zu ihrem eigenen Schutz, sonder auch, damit jene Arten, die bei uns überleben könnten, die hiesige Fauna nicht verfälschen. Ich glaube, Sie brauchen keine Gewissensbisse haben, wenn Sie den Bedürfnissen Ihrer Vögel nach artgemäßer Bewegung so Rechnung tragen, daß ihnen keine "Schmerzen oder vermeidbare Leiden oder Schäden", wie das Tierschutzgestz formuliert, "zugefügt werden." Das bedeutet für mich und erst recht für unsere Zebrafinken, daß sie vor allem viel fliegen, also nicht nur von einer Stange zur anderen und zurück fliegen dürfen.
    Akzeptabel dürfte die Pflege eines Paares ab (!) einer Käfiglänge von 1,20–1,50 Metern sein. Ich habe in meinem Eß- und Arbeitszimmer zwei solcher Kleinvolieren zu einer Gesamtlänge von 2,40 m verbunden, so daß Die Vögel jeweils bis zu 2 Meter weit fliegen können...


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